Kiez und Kids: Tempelhof - Schöneberg 4
Shownotes
Ein Jahr lang haben wir euch durch Berliner Kieze begleitet und gefragt: Wie geht es Familien wirklich? In der letzten Folge von Kiez & Kids nimmt euch FluxFM-Redakteurin Diona Bathily mit nach Tempelhof. Genauer gesagt: in die Hangars des ehemaligen Flughafens. Hier leben rund 1600 geflüchtete Menschen - darunter viele Kinder und Jugendliche. Wie fühlt sich Alltag an einem Ort an, den die meisten von uns nur von außen kennen? Diona lernt Wazhma und ihre Jungs kennen, die aus Afghanistan nach Berlin geflohen sind. Außerdem spricht sie mit Betreuer:innen, besucht die Kita vor Ort und lernt die Strukturen vor Ort kennen.
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00:00:00:
00:00:05: Das ist Vashmar.
00:00:06: Sie sagt, dass sie mit ihren Kindern aus Afghanistan geflohen ist, damit die zur Schule gehen können.
00:00:11: Seit sieben Monaten sind sie in Berlin.
00:00:13: Damit gehören sie zu den Tausenden Familien, die hier Schutz suchen.
00:00:17: Während die Politik über die Zukunft von Geflüchteten streitet, habe ich mich gefragt, wie sieht das Leben von Familien in einer geflüchteten Unterkunft aus?
00:00:25: Das ist die finale Folge.
00:00:30: Der Flux-FM-Familien-Podcast für Berlin.
00:00:34: Edition, Tempelhof
00:00:36: Schöneberg.
00:00:38: Ich bin Jana Batilli und habe viele Jahre in der Nähe vom Tempelhofer Feld gewohnt.
00:00:43: Immer wieder, wenn ich ums Feld gejockt bin, sind mir auf der Ecke vom alten Flughafengebäude weiße Container aufgefallen.
00:00:50: Ich wusste zwar, dass da Menschen wohnen, aber irgendwie habe ich ... nie jemanden gesehen.
00:00:55: Seit Jahrzehntzweiundzwanzig gibt es in den Hangars eine Erstaufnahme für Geflüchtete.
00:01:00: Heißt, die Menschen werden hier registriert, ärztlich untersucht, beim Asylantrag unterstützt und eigentlich schnellstmöglich in weitere Unterkünfte verteilt.
00:01:09: Das klappt nur nicht immer.
00:01:10: Aktuell leben ca.
00:01:11: one-tausendsechsundert Menschen in der Erstunterkunft.
00:01:14: Damit ist sie die größte Geflüchtetenunterkunft Berlins.
00:01:17: Die meisten Anwohnern sind allein reißende Männer.
00:01:20: Die kommen in Hangar eins und zwei.
00:01:23: Die Familien sind in Hangar drei.
00:01:25: Dort warte ich am Einlasscontainer und werde von Psychologin Carla Matorel-Peris abgeholt.
00:01:30: Ab hier
00:01:31: wohnen die Familien.
00:01:32: Ah, okay.
00:01:33: Und dann dürfen sie sagen, die von da drüben dürfen jetzt nicht hier rüberkommen?
00:01:36: Nein.
00:01:36: Alle, die wohnen, haben Ausweite.
00:01:38: Und die, die hier wohnen, sind ja bekannt.
00:01:42: Wie viele Familien wohnen hier gerade aktuell?
00:01:44: Insgesamt haben wir so ungefähr vierhundert.
00:01:47: wir wohnen.
00:01:49: Wenn wir voll sind, haben wir immer so ungefähr hundertzwanzig Kinder.
00:01:55: Zwischen achtzig und hundertzwanzig in der Regel.
00:01:58: Genau, das ist die Kantine, weil wir eine Erstaufnahmeeinrichtung sind.
00:02:03: Das heißt für Menschen, die frisch in Deutschland sind.
00:02:09: Und hier dürfen die Bewohner nicht kochen.
00:02:12: Also
00:02:14: sie
00:02:14: kommen dreimal
00:02:15: am Tag
00:02:16: mal treten.
00:02:18: Frühstück, Mittagessen und Abendessen.
00:02:22: Und sie dürfen nicht kochen.
00:02:24: Das ist eine sehr große Belastung für die Bewohner.
00:02:28: Weil manche sind hier schon seit Monaten, acht, neun, zehn Monaten.
00:02:34: Dass hier Menschen so lange leben, geht erst mal nicht in meinen Kopf.
00:02:38: Der Hangar sieht von innen nicht wirklich wohnlich aus.
00:02:40: Ein ganz großer Fabrikhallenartiger Raum, mit hellweißem Licht beleuchtet, ein weißer Container reiht sich neben den anderen.
00:02:49: Dinge, die eine persönliche Handschrift tragen oder ein Gefühl geben, wer hier wohnt, gibt es nicht.
00:02:55: Vielleicht kannst du die Toiletten sehen und die Duschen.
00:02:58: Also wir haben eine Toilette, so eine Familientoilette hier für Kinder bis zu zwölf.
00:03:03: Aber da gibt es nur eine Toilette, es gibt keine Duschen.
00:03:07: Sonst sind die Toiletten und die Duschen draußen.
00:03:12: Draußen
00:03:12: im Winter?
00:03:13: Ja, im Winter.
00:03:16: Also alle
00:03:17: Bewohner
00:03:19: und alle Kinder müssen praktisch hier draußen kommen.
00:03:25: Hier sind die Toiletten.
00:03:28: Genau.
00:03:28: Und das sind die Duschen.
00:03:29: Guck
00:03:30: mal.
00:03:30: Sehr spartanisch.
00:03:33: Mich erinnern die Duschen an Sanitärcontainer auf Festivals.
00:03:36: Sauber wird man zwar hier schon, aber Privatsphäre gibt es hier kaum.
00:03:40: Eine Kabine reiht sich an die Nächste, eine Ecke zum Umziehen sehe ich hier nicht.
00:03:44: Und nach dem Duschen muss man dann schnell im Handtuch und nassen Haaren vom Container auf dem Tempelhoferfeld ins ehemalige Flughafengebäude huschen.
00:03:53: Der Albtraum jedes Pubertierenden.
00:03:56: Und davon wohnen hier einige.
00:03:57: So wie noch viel Jüngere.
00:03:59: Und das ist hier
00:04:00: eine Kita?
00:04:03: Die Kinderbetreuung ist jeden Tag schon zehn.
00:04:05: Hallo!
00:04:07: Sind bis zwölf und vierzehn bis
00:04:09: sechzehn Uhr geöffnet.
00:04:11: Und hier spielen die Kinder.
00:04:14: Die Kita ist der erste Ort, der Lebendigkeit ausstrahlt.
00:04:17: Lautes Lachen, Zeichnungen und gebasteltes an den Wänden.
00:04:21: Halb und komplett aufgebaute Legofiguren, Kinder, die Fang spielen.
00:04:25: In der Mitte steht Kinder- und Jugendbetreuerin Zeyhan Zeyhan.
00:04:29: Sie arbeitet seit zweieinhalb Jahren in der Erstunterkunft oder, wie sie sagt, im Camp.
00:04:34: Früher war sie Sprachmittlerin, heute kümmert sie sich um das Programm für und mit den Kindern.
00:04:39: Auf Sejans Sprachskills muss ich direkt zurückgreifen, denn ich bin hier um Waschmar zu interviewen.
00:04:44: Sie kommt aus Afghanistan, spricht Farsi.
00:04:46: Ich nicht.
00:04:47: Seyhan leider auch nicht.
00:04:48: Deshalb haben wir uns ein Übersetzungstandem zusammengestellt.
00:04:52: Seyhan übersetzt für mich aus Deutsch auf Türkisch.
00:04:55: Falsane, eine weitere Anwohnerin aus dem Camp und Freuden von Waschmar, übersetzt von Türkisch auf Falsi und wieder zurück.
00:05:03: Kling kompliziert, hat aber erstaunlich gut geklappt.
00:05:06: Waschmar lädt uns zum Interview in ihr zu Hause ein.
00:05:10: Ein neun Quadratmeter großer Container, den sie sich seit sieben Monaten mit ihren zwei Söhnen nun zehn Jahre und Musa zwölf Jahre teilt.
00:05:19: Wie kommt es, dass
00:05:20: sie vor sieben Monaten erst hierher gekommen sind?
00:05:22: Also wie war die Reise hierher?
00:05:26: Ihr
00:05:27: Ehemann ist verstorben.
00:05:29: Sie konnte die Kinder dort nicht zur Schule schicken, auch wenn es Jungs sind, weil sie als Frau alleine ... Nichts mehr quasi machen, weil rausgehen oder als Frau überhaupt beständig, selbständig etwas zu machen ist eine große Problematik gewesen.
00:05:46: Das war einer der Hauptgründe.
00:05:48: Und den Fluchtweg hast du ja einigermaßen verstanden.
00:05:55: Sie war zuerst in Pakistan, dann im Iran.
00:06:01: Dann in der Türkei, dann in Syrien, dann in Irak, dann noch mal Türkei, dann Griechenland und danach ist sie nach Deutschland.
00:06:17: Wie ist das
00:06:21: für die Familie gewesen, diesen ganzen Weg auf sich zu nehmen?
00:06:26: Es
00:06:29: ist eine sehr schwierige, sehr torturreiche Flucht gewesen, weil sie es eigentlich mit vier Kindern auf den Weg gegangen hat.
00:06:43: Nach all diesen Ländern, die sie halt mit sehr großen Schwierigkeiten jedes Mal bereist hat, ist sie letztendlich zehn Jahre in der Türkei gewesen.
00:06:55: Dort hat sie eines ihrer Kinder verloren, ist verstorben.
00:06:59: Und dann ist sie mit drei Kindern halt weiter, um ihnen eine Zukunft zu ermöglichen.
00:07:07: Aber was jetzt mit dem Dritten ist, das weiß ich noch nicht.
00:07:13: Das ist ein ziemlich emotionaler Moment für uns alle, denn Wajima hat davon noch nie offen über den Verlust ihres Kindes gesprochen.
00:07:20: Und trotzdem sitzt sie hier, baut sich und ihrer Familie etwas Neues auf und hat schon neue Freundschaften geknüpft.
00:07:26: Wie
00:07:26: ist das so mit anderen Frauen, wahrscheinlich Familien, gemeinsam hier zu leben, die vielleicht was Ähnliches durchgemacht
00:07:34: haben?
00:07:36: Sie fühlt sich sehr bereichert und glücklich aus, der wartet, weil sie sich hier ... aufgehoben fühlt, das erste Mal gesehen fühlt, auch von den Sozialmitarbeiterinnen und dass sie ihre Kinder, die bei uns im Kinder- und Jugendbereich gut aufgehoben waren von Anfang an und dass ihre Kinder das allererste Mal in ihrem Leben eine Schule von innen sehen konnten.
00:08:05: Weil diese Möglichkeit wurde ihnen bis jetzt verwährt, auch in der Türkei die Zeit und sie fühlt sich als Mensch gesehen und wahrgenommen, auch mit den Kontakten, die sie hier knüpfen konnte, trotz aller Schwierigkeiten.
00:08:21: Wie war das
00:08:21: so,
00:08:23: die Jungs das allererste Mal zur Schule schicken zu dürfen?
00:08:30: Sie
00:08:30: waren sehr aufgeregt, das kann ich auch bezahlen.
00:08:35: Und sehr glücklich, also es war so etwas wie eine Sache, die unfassbar war, weil bis sie im zehnten, elften Lebensjahr eine Schule von innen nicht sehen zu können.
00:08:47: Sie war als Mutter sehr erleichtert und konnte es gar nicht passen, dass die Kinder einen Schulplatz erhalten haben.
00:08:55: Alle beteiligten waren sehr aufgeregt und sehr glücklich darüber.
00:08:59: Welche
00:08:59: Schule ist das für
00:09:01: alle
00:09:01: Kinder, die hier ... Sind dieselbe Schule?
00:09:06: Zurzeit ja.
00:09:07: Wir nennen sie Flughafen-Tempelhof-Schule.
00:09:10: Es ist eine Willkommensschule hier im Flughafengelände, nicht weit weg von hier.
00:09:16: Mit einem Jahr Verspätung wurde die Willkommensschule-Tempelhof dieses Jahr eröffnet.
00:09:21: So gut wie alle der hundredsebeneun-siebzig-Plätze sind direkt mit Schülerinnen befüllt.
00:09:26: Mit meinem alten Klassenzimmer haben die auf dem ehemaligen Rolfet aber wenig zu tun.
00:09:31: Hier reiht sich nämlich auch nur ein Container neben den nächsten.
00:09:35: Mit dem
00:09:37: Schulgang und dem Alter haben wir eigentlich so gesehen keine gravierenden Probleme.
00:09:43: Die größten Probleme beruhen darauf.
00:09:47: dass dieses Umfeld, wo sie gerade sind, nicht wirklich geeignet ist.
00:09:53: Dadurch entstehen die größten Schwierigkeiten auch für sie und für ihre Kinder.
00:09:57: Sie sind sehr, sehr zufrieden mit allen.
00:10:00: Aber die Fluchterfahrung und die Geschehnisse während der Flucht, was sie dort alles erlebt haben, verursacht halt bei ihr auch, weil es halt ein sehr beengender Raum hier ist.
00:10:12: Und zum Teil ist es hier auch sehr laut, das verursacht bei ihr.
00:10:16: so etwas wie Flashbacks und Panikattacken.
00:10:19: Da fühlst du sich dann halt nicht geschützt.
00:10:22: Das
00:10:23: kann ich so nachvollziehen.
00:10:25: Stellt euch mal vor, ihr müsst von heute an auf unabsehbare Zeit in einem ziemlich kleinen Raum mit eurer Familie wohnen.
00:10:32: Bei mir wäre da nicht nur Ärger vorprogrammiert, sondern auch eine immense psychische Belastung.
00:10:38: Dass es Waschmann ihren Jungs in diesem Setting schwäfelt, alles Geschehene zu verarbeiten, ist mehr als verständlich.
00:10:43: Was sind denn so ...
00:10:45: Aktivitäten,
00:10:47: Rituale, die
00:10:48: sie für sich haben, wo sie sich zu
00:10:50: Hause fühlen oder so ein Familiengefühl erzeugen können.
00:10:55: Also es gibt keine Routinen, die sie aus der Heimat mitgebracht haben, sondern hier sind neue Routinen entstanden wie... Für sie ist es ein ganz tolles Gefühl, was ihr dadurch entsteht, wenn sie die Kinder morgens eigenständig selbst zur Schule bringt.
00:11:11: Dann, wenn die Kinder gegen vierzehn Uhr aus der Schule kommen oder manchmal unternehmen wir was mit den Frauen zusammen.
00:11:19: Letzte Woche gab es eine kleine Versammlung unter den jungen Damen hier.
00:11:24: Da wurde ein Kaffee-Krenzchen draußen gehalten und so.
00:11:28: Das sind so Rituale, die sie sehr freut.
00:11:31: Familien wie Wajmas sind seit Jahren auf der Flucht.
00:11:34: Sie wollen gerne irgendwann mal ankommen und eigentlich sollten sie in Tempelhof gar nicht so lange bleiben.
00:11:40: Als Erstaufnahmestelle sollen die Leute hier maximal achtzehn Monate sein.
00:11:44: Warum das meistens nicht klappt, will ich von Unterkunftsleiter Robert Ziegler wissen.
00:11:49: Wir haben Menschen, die sind schon über zwei Jahre hier, knapp drei.
00:11:53: Einfach, weil es keine Plätze in anderen Unterkünften derzeit gibt und auch kein privaten Wohnraum.
00:11:59: wo die Menschen hinziehen können.
00:12:01: Im Durchschnitt sind Menschen hier in der Unterkunft sechs Monate mit Ausweisern in beide Richtungen.
00:12:08: Hier sind aber auch die Mindeststandards, sind eigentlich neun Quadratmeter pro Person.
00:12:13: Hier war es ursprünglich gedacht als erst mal Notunterbringung für mehrere Wochen.
00:12:18: Es hat jetzt in der Realität ja überschritten, eben weil es keinen Wohnraum gibt oder keine Plätze in sogenannten Gemeinschaftsunterkünften, wo man dann auch selbstständig kochen kann.
00:12:29: Im Vergleich zu vor zwei Jahren, wie angespannt findest du die Stimmung gerade hier in der Unterkunft für dich als Unterkunftsleitung?
00:12:36: Wir können bei den Menschen aus der Ukraine schon merken, dass da ein gewisser Rost zunimmt.
00:12:43: Also die Situation ist weiter, wie es in der Ukraine vorangeht und deshalb auch die Menschen hier sich einfach nicht weiter bewegen.
00:12:53: Sie leben in den Unterkünften und es geht wieder vor noch zurück.
00:12:58: Sonst geht's so ein bisschen die Perspektive.
00:13:01: Und sie leben hier gerade bei uns in Forscherpflegung.
00:13:04: Das heißt, sie können nicht mal selbst kochen zu müssen.
00:13:07: Das Essen, das sie angeboten wird, sieben Tage je Woche, dreimal am Tag, essen und leben recht prekär.
00:13:13: Haben zwar Zugang zum Arbeitsmarkt in der Ringe, aber ich glaube schon, dass da die Frustration zugenommen hat.
00:13:25: Frust, aber auch Unsicherheit.
00:13:27: Die politischen Debatten, den raueren Ton in Sachen Migration, bekommen die Menschen hier definitiv mit.
00:13:33: Dazu die höheren Abschiebezahlen.
00:13:35: Die Veränderung spürt auch Seijan, wenn sie den Familien bei Kita-Suche, Kita-Anmeldung, Schulanmeldung hilft.
00:13:42: Um den Kids Leichtigkeit ins Leben zu bringen, planen sie viele Aktivitäten.
00:13:46: Zirkus mit Kabu Wazi, Schlittschuhlaufen, Leseklub.
00:13:50: Manchmal wird auch einfach an der Konsole gezockt.
00:13:52: Wie ist das
00:13:53: mit dem Zusammenleben und mit dem Annehmen überhaupt des Angebots?
00:13:58: Das hängt halt von den Herkunftsländern ab.
00:14:02: Jetzt im Moment haben wir überwiegend gleiche Herkunft.
00:14:06: Deswegen entstehen da unter den Kindern weniger Diskrepanten, sag ich mal.
00:14:12: Aber letztes Jahr war das sehr kunterbund gemischt.
00:14:16: Auch die Altersgruppen, weil unsere tägliche Herausforderung bei uns ist.
00:14:20: Wir sind nicht wie eine normale Kita, dass wir bestimmte Altersgruppen haben, sondern bei uns sind Kinder ab zwei bis zwölf, vierzehn, fünfzehn da.
00:14:31: Und dann ist natürlich die Herausforderung... alle auf einen Nenner zu bekommen, weil wir sind jetzt nicht so viele, dass wir jeden einzeln betreuen können, sondern wir gucken immer ab, wie wir das abdecken können, mit den Kollegen teilen uns auf und... versuchen halt dementsprechend Spiele oder Sachen zu organisieren, die dann bestimmte Interessen abdecken.
00:14:54: Die Kinder untereinander, die Kinder sind fabelhaft.
00:14:58: Die schaffen in schlimmsten Umgebungen, schaffen Kinder sich trotzdem ein Raum, wo sie ein Spiel daraus machen können.
00:15:07: Ein ganz simples Beispiel.
00:15:09: Wir hatten letztes Jahr ein sehr traumatisiertes Kind aus Afghanistan, auch eine Familie.
00:15:16: Und der Junge hat nicht gesprochen, er hat mit niemanden gesprochen und der hat angefangen bei uns zu sprechen, er hat angefangen bei uns zu lachen, er hat angefangen mit uns zu reden, uns hat er umarmt und das er nähezugelassen hat.
00:15:33: und das das waren halt so einer der glücklichsten Momente und das Das ist halt so.
00:15:40: das Schöne dann an dem Ganzen.
00:15:43: Was
00:15:43: ist so eine Sache, bei der ihr euch oder wo du dir noch mehr Unterstützung für die Familien wünscht, damit die vielleicht einen einfachen Weg haben, sich vielleicht auch in die Gesellschaft einzugliedern und mehr hier anzukommen?
00:15:54: Ich bin ganz ehrlich, ich bin nicht so konform mit dieser Schule gewesen, die hier jetzt im Kampf eröffnet hat.
00:16:03: Aber ich bin jetzt trotzdem einigermaßen konform damit, weil die Kinder zumindest Schulplätze bekommen.
00:16:10: Und zwar auf schnellem Wege.
00:16:12: Was vorher eben nicht der Fall war, insbesondere bei bestimmten Herkunftsländern.
00:16:19: Weil wir schaffen den Kindern irgendwelche Alternativangebote während dieser Wartezeit, weil wir nicht wollen, dass sie nur in diesem Kampf verweilen, weil so findet keine Integration oder Sozialisierung statt.
00:16:36: Monatelang gab es keine Schulplätze, obwohl Schulpflicht in Deutschland herrscht.
00:16:42: Und dann wurden wir halt immer darauf verwiesen, dass ja diese Schule hier irgendwann eröffnen wird.
00:16:48: Die sollte eigentlich schon letztes Jahr aufmachen.
00:16:51: Und
00:16:51: wird es dir eher gewünscht, dass die Kinder auf eine reguläre Schule gehen, damit sie ein bisschen mehr gleich ...
00:16:56: Genau.
00:16:57: Weil die Kinder sehen sich im Camp ja schon.
00:17:01: Ich mein, es wäre der Wunsch, wäre halt, dass sie auch zu anderen Kindern ... Kontakt aufbauen können, damit eine andere Sozialisierung stattfindet, damit sie vielleicht ein anderes Zugehörigkeitsgefühl entwickeln können oder das Gefühl von dazugehören.
00:17:19: Oder ich würde mir halt von der Politik einfach weniger Hürden wünschen.
00:17:25: Das wäre so mein größter Appell, weil hier sind ganz viele Menschen, die wollen und die haben so viel Potenzial.
00:17:33: Die haben echt so viel Potenzial.
00:17:36: dass man es ihnen einfacher macht, dieses Potenzial ausleben zu können, weil es könnten jeder davon profitieren.
00:17:48: Weil deren Wunsch ist einfach wie jeder normale Mensch auch ein gutes Leben für sich und ihre Kinder ohne Angst haben zu müssen.
00:17:57: Und sie wollen alle auf ihren eigenen Füßen stehen, sie wollen selbstständig sein.
00:18:02: Dazu gehört aber Perspektiven bieten, dass Perspektiven geschaffen werden für diese Menschen und das Potenzial, was sie mitbringen, dass man das Würdigen und Schätzen und nutzen sollte, weil die sind bereit.
00:18:18: Die sind mehr als bereit.
00:18:20: Jetzt haben wir so lange gequatscht, dass Nu und Musa die Söhne von Waschmar von der Schule zurück sind.
00:18:26: Natürlich will ich wissen, wie ihr Tag war.
00:18:29: Es war sehr schön, die waren auch unterwegs und haben auch ein Kuchen gebacken und hatten sehr schöne Zeit heute in der Schule.
00:18:41: Kuchen gebacken in der Schule, was für
00:18:43: ein Unterrichtsfach
00:18:45: ist das denn?
00:18:49: Das
00:18:49: scheint diese Kooperation zu sein.
00:18:52: Heute haben sie gar keinen Unterricht gehabt, sondern die sind zur Schule und von da aus dann direkt weiter in ein anderes Gebäude, wo sie dann eben Kuchen gebacken haben, unter anderem.
00:19:05: Was war
00:19:06: bisher euer schönster
00:19:07: Moment, abgesehen von der Schule?
00:19:11: Er ist
00:19:11: außerhalb der Schule.
00:19:13: Eigentlich ist Schule, sagt er dann wieder.
00:19:15: Aber ich meine, außerhalb der Schule dann wieder.
00:19:19: Er sagt, neue Freunde, Freundschaften geschlossen zu haben, sich frei bewegen zu können.
00:19:25: Und Nuß sagt auch Freundschaften und Freiheitsgefühl und machen, was man
00:19:30: möchte quasi.
00:19:32: Wie ist das so mit der eigenen Mutter und dem anderen Bruder zusammen, einen Zimmer zu
00:19:39: teilen?
00:19:40: Nur
00:19:40: sagt, das ist ein schönes Gefühl.
00:19:42: Er fühlt sich seiner Mutter sehr nah und seinem Bruder.
00:19:46: Bei Musa ist es eher ein claustrophobisches
00:19:49: Gefühl.
00:19:50: Und was macht er, um das
00:19:51: dann
00:19:56: loszulernen?
00:19:58: Entweder sitzt er sich da, du hast diesen Bereich vielleicht auch gesehen, da sind so Holzsitzbänke.
00:20:05: Wo die Jugendlichen abends dann auch ganz viel sitzen.
00:20:09: Entweder sitzt er da.
00:20:11: Manchmal geht er auch raus Fahrrad fahren, je nach Wetterlage.
00:20:17: Was wollen Sie
00:20:19: mal sein?
00:20:21: Was wollen Sie in der Zukunft mal werden?
00:20:23: Was ist
00:20:24: Ihr Traum?
00:20:25: Ich weiß es noch nicht genau.
00:20:28: Es wird von seinem Erfolg abhängen, wie gut er ist in der Schule quasi.
00:20:35: Und nur möchte Wissenschaftler werden.
00:20:37: Was für eine Wissenschaft?
00:20:40: Physik.
00:20:41: Physik.
00:20:41: Meine Daumen sind für die beiden auf jeden Fall gedrückt.
00:20:44: Aber damit ihre Träume in Erfüllung gehen, braucht es mehr.
00:20:47: Mehr politische und finanzielle Unterstützung.
00:20:50: Mehr Perspektive.
00:20:51: Weniger spielt mit menschlichem Schicksal für Wählerinnenstimmen.
00:20:55: Auch wenn gespart werden muss.
00:20:57: Der Senat kürzt im Doppelhaushalt, in Sachen Integration.
00:21:03: Das Partizipations- und Integrationsprogramm wird fast heil biert.
00:21:07: Deutschkurse für Geflüchtete werden gekürzt, Ehrenamtnetzwerke und Beratungsforen fallen weg.
00:21:13: Das bedeutet für die Jungs und die anderen Kids aus dem Hangar drei, mehr Hürden, weniger Chancen.
00:21:19: Deshalb ist die Arbeit von Seijan, dem Team vor Ort und der AWO so wichtig.
00:21:24: Danke, dass ich bei euch vorbeischauen durfte.
00:21:26: Danke an Vajma, Vaisane, Nu und Musa.
00:21:29: Das war die finale Folge Keats und Kids.
00:21:32: Hört euch auch die anderen Folgen an.
00:21:33: Dann nehmen euch meine Kolleginnen mit ins Kinder- und Jugendparlament in Reinigendorf.
00:21:38: In Schöneberg geht's in Quire-Kitas.
00:21:40: In Charlottenburg-Wilmersdorf begleiten wir Familie mit Kinderwunsch und sprechen mit Alleinerziehenden in Mitte.
00:21:46: Ich bin Jonna Bartilli und danke euch fürs zuhören.
00:21:54: Freundlich unterstützt von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg.
00:21:58: Weitere Infos und Episoden auf fluxfm.de.
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